Bisher verbrauchen Privathausthalte – also wir alle – Strom unabhängig davon, wie stark der Wind gerade weht oder die Sonne scheint. Wieso auch nicht? – Wir zahlen schließlich zu jeder Tages- und Jahreszeit den gleichen fixen Strompreis.
Wann aber würden wir die Waschmaschine starten, das Elektroauto laden oder mit der Wärmepumpe heizen, wenn sich ein dynamischer Strompreis halbstündig an das aktuelle Angebot anpassen würde? Wenn Strom also günstig wäre, wenn viel Wind- und Sonnenstrom zur Verfügung steht, und teuer, wenn wenig Strom im Angebot ist?
Das haben die C-SEB Mitglieder Peter Cramton, Emmanuele Bobbio und Simon Brandkamp zusammen mit Stephanie Chan, David Malec und Lucy Yu untersucht. Dazu haben sie den Stromverbrauch von rund 15.000 Hauhalten in Großbritannien im Halbstundentakt und über ein Jahr hinweg ausgewertet. Tatsächlich reagieren die Haushalte deutlich auf die dynamischen Strompreise. Besonders Elektroautos werden dann geladen, wenn der Strom günstig ist. Beim Heizen mit Strom ist nur eine leichte Anpassung zu verzeichnen – viele Haushalte haben allerdings auch noch keine intelligenten Thermostate, die diese Aufgabe übernehmen können.
Die Bereitschaft, den Stromkonsum an das aktuelle Angebot von Wind- und Solarstrom anzupassen, wird steigen, wenn mehr Haushalte Elektroautos, Batteriespeicher, und intelligente Thermostate besitzen. Wenn wir weiterhin nicht auf Strompreise reagieren (müssen), müssen die Stromnetzbetreiber teure Gaskraftwerke als Reserve vorhalten, um die Nachfrage an sonnen- und windarmen Tagen zu decken – was sich letztlich wieder auf die (derzeit fixen) Strompreise auswirkt, die die meisten Privathaushalte zahlen. Dynamische Strompreise können also die Kosten für alle senken.
Und nicht nur das: Dynamische Strompreise können die Widerstandskraft gegenüber Extremwetterereignissen erhöhen. Im Februar 2021 hatte ein mehrtägiger Kältesturm in Texas die Stromnachfrage extrem ansteigen lassen, da dort viele Menschen mit Strom heizen. Gleichzeitig ist die Stromproduktion eingebrochen, weil viele Kraftwerke kältebedingt ausfielen. Millionen Menschen waren tagelang ohne Strom, hunderte starben. Was wäre passiert, hätte es in Texas dynamische Strompreise gegeben? – Wenn ein Teil der Menschen auf die extrem hohen dynamischen Strompreise während des Sturms ähnlich reagiert hätte wie die untersuchten britischen Haushalte, hätten sie ihren Verbrauch auf das Nötigste beschränkt und damit den Zusammenbruch des Stromnetzes vermutlich verhindern können. Das zeigt eine Simulation des Forschungsteams.
Mit dynamischen Strompreisen können Privathaushalte zukünftig eine größere Rolle in der Energiewende und bei der Versorgungssicherheit spielen. Dabei gewinnen alle – auch das Klima.
→ Kontakt: Simon Brandkamp, simon.brandkamp@wiso.uni-koeln.de