C-SEB setzt sich ein für Chancengerechtigkeit und fördert exzellente Forschung und Forschungsbedingungen. Unsere Mitglieder arbeiten an spannenden, aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen.
Im WiSo-Adventskalender stellen wir zwei Forschungsprojekte vor, die sich mit Korruption über Landesgrenzen hinweg und die Kosten von Kriminalität beschäftigen. In jedem Beitrag sind kursiv gesetzte Großbuchstaben versteckt, die die LÖSUNG für die 1. Frage des Quiz im Adventskalendertürchen ergeben.
Und wenn Sie die Zahl der Weihnachtsbäume (🎄) in den unten stehenden Texten richtig zählen, können Sie auch die 2. Frage im WiSo-Adventskalender-Quiz beantworten. Das kann einen Sonderpreis einbringen!

Bestechung und Korruption kennen keine Grenzen – mit hohen gesellSChaftlichen Kosten. Wer wen und In welchem Maß über LandesgrenzEN hinweg zu besteChEn versucht und wie erFOlgreich diese Versuche sind, hat viel wenigeR mit den eigenen moralischen Standards zu tun, als uns vielleicht lieb ist.
Würden Sie den 🎄 Weihnachtsmann bestechen? – Vermutlich nicht. Wir auch nicht. Wir alle würden gerne glauben, dass das an unseren moralischen Standards liegt. Wahrscheinlich liegt es aber eher daran, dass wir Bestechung dort für verpönt halten, wo der Weihnachtsmann herkommt.
Die Bereitschaft zu bestechen und sich bestechen zu lassen scheint für jeden Menschen individuell und über die Zeit stabil zu sein. Jemand ist also entweder korrupt – oder eben nicht. Aktuelle Forschung von den C-SEB-Mitgliedern 🎄 Angela Dorrough, 🎄 Bernd Irlenbusch und 🎄 Andreas Glöckner zeigt, dass eigene (stabile) moralische Standards bei Bestechung über Grenzen hinweg eine erstaunlich geringe Rolle spielen. Vielmehr sind Bestechung und Bestechlichkeit variabel – in Abhängigkeit davon, mit wem wir es zu tun haben.
🎄 Knapp 6.500 Personen aus 18 Ländern haben in einer groß angelegten Online-Studie jeweils 36 Entscheidungen getroffen – 18-mal als „Citizen“ (Bürger:in) mit der Möglichkeit, aus jeder der 18 Nationen eine:n „Public Official“ (Amtsträger:in) zu bestechen. Und 18-mal als „Public Official“ mit der Option, Bestechungsversuche anzunehmen oder nicht. Wie im echten Leben haben auch hier erfolgreiche Bestechungsversuche einen materiellen Vorteil für die beiden Beteiligten – und Nachteile für die Allgemeinheit.
Herauskommt, dass 🎄 moralische Standards offenbar recht 🎄 flexibel sind. Erscheint Korruption im Land des Gegenübers verbreitet und akzeptabel, wird mehr Bestechung versucht und angenommen. Entscheidend ist dabei unsere 🎄 Erwartung und nicht die tatsächliche Korruptionsrate in einem anderen Land: So werden z. B. in den USA Bestechungsversuche öfter 🎄 akzeptiert als erwartet und in Russland ist die Akzeptanzrate niedriger als erwartet. Wie in vielen anderen Lebensbereichen haben wir also auch für Korruption 🎄 stereotype Vorstellungen, die oft inkorrekt sind.
Warum ist das wichtig? – Nicht so sehr für unsere Entscheidung, dem 🎄 Weihnachtsmann auf fragliche Art und Weise mehr Geschenke abzuringen. Aber für geringe Todesraten bei Naturkatastrophen, den Erhalt von Biodiversität und Anstrengungen gegen die Klimakatastrophe sind niedrige Korruptionsraten über Grenzen hinweg von entscheidender Bedeutung. Diese Forschung zeigt, dass es eine erstaunlich große Rolle spielt, welchen 🎄 Ruf ein Land bezüglich Korruption hat. Daran kann man arbeiten.
Und wenn Sie zu Weihnachten noch etwas Gutes tun wollen, können Sie an die Organisation spenden, die in der Forschungsarbeit durch hohe Bestechungsraten Nachteile erlitt: https://www.atmosfair.de/de/
→ Kontakt: Angela Dorrough, angela.dorrough@uni-koeln.de
→ Dorrough, A. R., Köbis, N., Irlenbusch, B., Shalvi, S., & Glöckner, A. (2022). Conditional Bribery: Insights from Incentivized Experiments Across 18 Nations. Proceedings of the National Academy of Sciences, 120(18), e2209731120.

Kriminalität kommt uns teuer zu stehen: Gerichte, Polizei und die Behandlung gesundheitlicher Folgeschäden verschlingen Milliarden. Und doch werden die gesellschaftlichen Folgekosten von Verbrechen vermUTlich drastisch unterschätzt, denn sie vernachlässigen die individUellen Kosten auf Seiten der OpfeR – wEnn diese beispielsweise langfristig weniger produktiv am Arbeitsmarkt teilnehmen.
Von wegen „Silent Night“ und „Sleep in Heavenly Peace“ – Verbrechen machen an 🎄 Weihnachten keine Pause. Es gibt Hinweise, dass sich manche Verbrechen an Feiertagen wie 🎄 Weihnachten und Neujahr sogar häufen, so zum Beispiel Fälle häuslicher Gewalt. Davon wiederum sind vor allem Frauen betroffen. Forschung der im Exzellenzcluster ECONtribute und in C-SEB aktiven Wirtschaftswissenschaftlerin 🎄 Anna Bindler und ihrer Koautorin 🎄 Nadine Ketel zeigt, dass gerade hier die individuellen Opferkosten besonders hoch sind: Das Einkommen von Frauen, die Partnerschaftsgewalt erfahren, ist ein Jahr später 14 (bei Körperverletzungen) bis 18 Prozent (bei Bedrohungen und Androhung von Gewalt) geringer und erreicht bis zu vier Jahre nach der Tat nicht das vorherige Niveau. Gut möglich ist, dass die Effekte sogar noch länger andauern.
Insgesamt verdienen Opfer von Straftaten im Schnitt etwa 13 Prozent weniger als vor dem Übergriff und benötigen bis zu 6 Prozent mehr Sozialleistungen. Dass Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen und mit niedrigem Einkommen überdurchschnittlich häufig Opfer von Verbrechen werden, verschärft die Situation.
Die Autorinnen kommen zu dem Schluss, dass exisitierende Schätzungen der Kriminalitätskosten diese signifikant unterschätzen. 🎄 Und bedenkt man, dass politische Entscheidungen zu Investitionen in die Reduktion von Verbrechen – die effektivste und nachhaltigste Opferhilfe 🎄 – von diesen Kostenschätzungen beeinflusst werden, sind realistische Zahlen umso wichtiger.
🎄 Vorbeugung ist auch bei Kriminalität die beste Medizin: Bildung, Chancengleichheit und Arbeitsmarktperspektiven, aber auch (physische und psychische) Gesundheitsfürsorge spielen eine wichtige Rolle bei der Kriminalitätsprävention. Wissen darüber, wer besonders gefährdet ist, Opfer von Verbrechen zu werden, kann zudem für gezielte Präventionsmaßnahmen genutzt werden. So ist 🎄 Anna Bindler auch an Forschung beteiligt, die zeigt, dass Jugendliche mit Erreichen des 16. bzw. 18. Lebensjahres ein erhöhtes Risiko haben, Opfer zu werden – das heißt zu dem Zeitpunkt, wenn sie plötzlich mehr Rechte erhalten, z. B. was Alkoholkonsum oder den Aufenthalt in Bars angeht.
Und damit nicht genug: Mit der Auswertung 🎄 historischer Daten zeigen 🎄🎄 Anna Bindler und Randi Hjalmarsson, dass die Einführung der London Metropolitan Police im 1829 🎄 – der ersten professionellen und auf Prävention ausgerichteten Polizei – tatsächlich zu einer Reduktion der Kriminalität geführt hat.
Sollte es an Weihnachten nicht so friedlich zugehen, wie wir es Ihnen und uns von Herzen wünschen, nutzen Sie die Errungenschaft einer professionellen Polizei und wählen Sie die 110. Oder wenden Sie sich an Anlaufstellen zu häuslicher Gewalt.
→ Kontakt: Anna Bindler, bindler@wiso.uni-koeln.de
→ Bindler, A., & Ketel, N. (2022). Scaring or scarring? Labour market effects of criminal victimization. Journal of Labor Economics, 40(4): 939-970.