Handelsblatt, 29.03.2022 | Axel Ockenfels
„Mit dem Verzicht auf russische Energieimporte ist die Hoffnung verbunden, Putin zum Einlenken zu bewegen. […] Ein vollständiges Embargo ist de facto eine prohibitiv hohe Importabgabe auf russisches Gas und Öl. Auf der anderen Seite wäre wirtschaftspolitisches Nichtstun gleichbedeutend mit einer Abgabe von null. Wenn die Politik jedoch nur auf diese beiden Pole schaut, schränkt sie ihren Handlungsspielraum unnötig ein. […] Eine Abgabe irgendwo zwischen null und prohibitiv hat im Ergebnis mindestens drei ökonomische Effekte. Erstens können die Bezugspreise für die Abnehmer steigen und die Liefermengen sinken. Zweitens reduziert sich der Gewinn Russlands. Und drittens entstehen Einnahmen für den Westen, die sonst zumindest teilweise in Russlands Staatskasse geflossen wären. […] Wir sollten uns keiner Illusion hingeben: Die Einführung einer westlichen Importabgabe auf russisches Öl und Gas ist mit Hürden verbunden. Aber schon die ernsthafte Beschäftigung mit diesem Sanktionsinstrument, etwa im Rahmen der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7), würde im Kreml vermutlich sehr aufmerksam verfolgt.“
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