Süddeutsche Zeitung, 28.05.2022 | Sebastian Herrmann
“In der Corona-Pandemie, in Fragen des Klimawandels und des Krieges in der Ukraine ergibt sich die gleiche Situation: Im Prinzip verfügen alle über die fast gleichen Informationen und streiten bitter über die Auslegung. Das menschliche Denken, die Wahrnehmung, das Erinnern und das Urteilen weichen oft systematisch davon ab, was rational wäre (was schwer genug zu definieren ist). Menschen vertrauen unbewusst auf sogenannte Heuristiken, nutzen also mentale Faustregeln. “Es gibt weit mehr als 100 Bias beziehungsweise kognitive Verzerrungen, die man finden kann”, sagt der Sozialpsychologe Andreas Glöckner von der Universität Köln. […] Lässt sich das Denken wenigstens hin und wieder aus den Bias-Gehegen hinausführen? Schwierig – und vermutlich stark abhängig davon, um welchen Effekt es konkret geht. Der Sozialpsychologe Glöckner bietet zum Beispiel Schulungen für Richter an, für die der Anker-Effekt eine wesentliche Rolle spielt.”
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